Zwei Kinder starben nach Zeckenstichen
Dass binnen einem halben Jahr nun zwei Kinder an einer Gehirnentzündung nach Zeckenstich gestorben sind, ist eine schlimme Sache, die mich sehr beschäftigt.
Umso mehr ärgere ich mich, wie schlecht der medizinische Wissensstand hier ist. Außer "Impfen, Impfen, Impfen!" hört man nichts Essentielles von Seiten der Experten. Keine Rede von einer halbwegs umfassenden Aufarbeitung der Krankengeschichten, keine Erhebung möglicher Risikofaktoren - dafür Stolz über eine Weltrekord-Impfquote, die auf Angst-Propaganda beruht. Doch ob die FSME-Impfung die Todesfälle verhindert hätte, ist höchst ungewiss.
Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt.
Totale Ignoranz
Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."
Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht. Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.
Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.
Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.
Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:
Der Fall des Salzburger Kindes
Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.
Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."
Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens
Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."
Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.
Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."
Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.
Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.
Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.
Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.
Die Mitteilungen des Wiener Instituts für Virologie beschränken sich vor allem darauf, die gemeldeten Fälle zu zählen und die Meldeorte fehlerfrei einem der neun Bundesländer zuzuordnen. Wenn man den Leiter des Instituts zu Details fragt, die darüber hinaus gehen, so versichert er glaubhaft, dass er auch nicht mehr weiß als in der Zeitung steht. Und das ist nicht grad viel.
Die meldenden Ärzte selbstständig zu kontaktieren, die genaue Krankengeschichte aufzunehmen, die Eltern der Todesopfer zu den Begleitumständen und ihren (Nicht-)Impfentscheidungen zu befragen - all das fällt niemandem ein.
Und so ist die statistische Aufbereitung der jährlichen FSME-Fälle, die regelmäßig vom Virologie-Institut zum Frühlingsbeginn präsentiert wird, nicht viel mehr als eine Werbeaktion für die FSME Impfung. Nachdem die Herstellerfirma Baxter ein langjähriger treuer Sponsor des Virologie-Instituts ist, ist das vielleicht auch so beabsichtigt.
Totale Ignoranz
Für jemand, der an einer guten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeckenstich-bedingten FSME Fälle interessiert ist, sind das alles jedoch höchst frustrierende Umstände. Kärnten, das Bundesland, in dem der aktuelle Todesfall aufgetreten ist, hat mit einer Impfquote von 93 Prozent wohl den Weltrekord bei einer Impfung, die von den Menschen selbst zu bezahlen und zu organisieren ist.
Eine Impfung, von der weder die genaue Wirksamkeit, noch die Dauer des Schutzes, noch die Nebenwirkungen, welche über Rötungen und Fieber hinausgehen, im Detail bekannt sind.
Gute Vergleichsstudien mit physiologisch neutraler "Placeboimpfung" in der Kontrollgruppe gibt es nicht. Und wenn die Hersteller mal eine Studie finanzieren, so ist damit bei weitem noch nicht gesagt, dass diese auch erscheint. Ich erinnere mich dazu an die Aussage der damaligen Forschungsleiterin bei Baxter, als ich sie bat, mir eine kürzlich durchgeführte Studie zu schicken. Die Dame lehnte ab und begründete dies mit folgendem denkwürdigen Satz: "Wir machen Studien ja nicht, um diese zu veröffentlichen, sondern damit unsere Impfungen zugelassen werden."
Nachdem das einmal gelungen ist und ein Impfstoff am Markt ist, wird die Erfassung von selteneren Nebenwirkungen dann vollständig dem Zufall überlassen. Zwar besteht seit vielen Jahren eine gesetzliche Meldepflicht von allen medizinischen Auffälligkeiten, die in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung auftreten. Doch die meisten Ärzte wissen nichts davon. Weder von der Meldepflicht noch von der Tatsache, dass Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmun-Erkrankungen überhaupt von einer voran gegangenen Impfung stammen können. Sie wissen auch nicht, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob sie selbst es für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten, ob das Symptom durch die Impfung ausgelöst wurde, oder nicht. Allein der zeitliche Zusammenhang genügt für die Meldepflicht an die zuständige Stelle im Gesundheitsministerium. Nichtmeldung ist sogar strafbar. Doch niemand klärt die Ärzte auf, niemand ahndet Verstöße. Und niemand denkt auch nur im Traum daran, die gemeldeten Nebenwirkungen - nach dem Vorbild Deutschlands - in einer öffentlichen zugänglichen Datenbank im Internet zu publizieren.
Somit erfolgt Aufklärung zur FSME Impfung weiterhin vor allem über PR-Kampagnen, TV-Werbung, sowie als Information getarnte, bezahlte Werbetexte in den Boulevard-Medien.
Ich habe hier im Blog eine der wenigen guten epidemiologischen Arbeiten zum Verlauf der FSME bei Kindern besprochen, die in Österreich existieren. Peter Fritsch hat mit Kollegen von der Meduni Graz die Daten der letzten 24 Jahre seit Einführung der FSME-Impfung in Österreich aufbereitet. In der Steiermark, dem mit Abstand am meisten von der über die Zecken verbreitete Infektion betroffenen Bundesland, waren in dieser Zeit insgesamt 116 Kinder erkrankt. Davon mussten sechs Kinder intensivmedizinisch betreut werden. Bis auf einen einzigen Fall heilte die Krankheit folgenlos ab. Ein zum Zeitpunkt der Erkrankung fünf Jahre altes Mädchen trug bleibende Schäden davon.
Insgesamt waren von den 116 Patienten 112 vollkommen ungeimpft. Zwei Kinder hatten eine Impf-Dosis, ein erkranktes Kind zwei, und eines die komplette Basis-Immunisierung mit drei Impfdosen. Damit erkennt man, dass die FSME-Impfung sehr gut vor dem Auftreten dieser von Zecken übertragenen viralen Infektion schützt.
Ausgerechnet der eine schwere Fall des Mädchens, das bis heute unter Lähmungen und anderen Gesundheitsproblemen leidet, war jedoch das Kind mit der vollständigen Impf-Serie. Die Autoren der steirischen Studie nahmen an, dass der schwere Verlauf genetisch bedingt war, und das Mädchen an einer höheren Empfänglichkeit gegen diese Viren litt.
Dass es nun binnen eines halben Jahres zu zwei Todesfällen bei Kindern gekommen ist, ist höchst ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Kinder geimpft, die Grundimmunisierung mit den drei Teilimpfungen aber nicht abgeschlossen wurde. Die Eltern waren keine Impfgegner. In einem Fall riet angeblich sogar der behandelnde Impfarzt wegen schwerer Nebenwirkungen von einer weiteren FSME-Impfung ab.
Ich fasse hier zusammen, was ich über die Todesfälle in Erfahrung bringen konnte:
Der Fall des Salzburger Kindes
Im September starb - kurz vor seinem 6. Geburtstag - ein Kind in Salzburg an Meningitis. Die Eltern tschechischer Herkunft wohnten im Flachgau, einem Gebiet, in dem FSME selten ist, aber doch vorkommt.
Am 21. Mai 2007, im Alter von 18 Monaten wurden das Kleinkind gegen FSME geimpft, am 4. Juni erfolgte die zweite Impfung. An sich ist der Abstand von nur zwei Wochen zwischen den Impfterminen ungewöhnlich. Wahrscheinlich wurde nach einem "Schnell-Schema" geimpft, um das Kind noch für die aktuelle Saison zu schützen.
Warum die dritte Impfung dann nicht mehr erfolgt ist, konnte mir niemand sagen. Auch nicht, ob das Kind nach den Impfungen möglicherweise unter Nebenwirkungen gelitten hat und die Eltern deshalb die Grund-Immunisierung nicht fertig machten.
Ob das Kind vor dem Ausbruch der Krankheit im Spätsommer 2011 überhaupt von einer Zecke gestochen wurde, gilt als wahrscheinlich, aber nicht als vollständig sicher. FSME Viren können theoretisch auch über andere Quellen - wie z.B. Rohmilch - übertragen werden. Die Eltern konnten sich nicht an einen konkreten Zeckenstich erinnern. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Speziell die Stiche von Nymphen - dem zweiten Entwicklungsstadium der Zecken - werden häufig übersehen.
Warum die Infektion so ungewöhnlich schwer verlaufen ist, weiß niemand. Den Experten, die ich befragt habe, waren weder Grunderkrankungen noch sonstige Risikofaktoren bei dem Kind bekannt.
Nicht beantwortet wurde die Frage, wie hoch der Antikörper-Titer des Kindes war. Denn nach zweimaliger Impfung entwickeln laut Aussagen von Impfexperten "98 Prozent der Kinder eine Serokonversion - also Antikörper - und gelten über die Saison als geschützt."
Der aktuelle Todesfall des Kärntner Mädchens
Das 9-jährige Mädchen aus Ledenitzen am Faaker See starb am Dienstag dieser Woche im Landeskrankenhaus Klagenfurt, wohin es wegen des schweren Verlaufes aus Villach überstellt wurde.
Eine ursächliche Therapie stand nicht zur Verfügung, erklärte mir der zuständige Primar, Wilhelm Kaulfersch: "FSME Immunglobuline sind im Vorjahr vom Markt genommen worden, weil sich heraus gestellt hat, dass sie recht unsicher sind und eine Krankheit sogar noch verstärken können."
Das Kärntner Mädchen war ebenfalls geimpft worden. Allerdings nur einmal, weil es, wie Kaulfersch berichtet, "die Impfung sehr schlecht vertragen hat". Angeblich, so Kaulfersch, hat sogar der behandelnde Arzt der Familie von einer nochmaligen Impfung abgeraten.
Ich fragte Kaulfersch, ob diese Unverträglichkeit möglicherweise in Zusammenhang steht mit dem nunmehrigen tödlichen Verlauf der Infektion. "Da habe ich keine Ahnung", entgegnete er, "ich bin doch kein Wissenschaftler."
Nun heißt es, dass das Mädchen noch leben würde, wenn die zwei fehlenden FSME-Impfungen der Basis-Immunisierung - entgegen den Bedenken des Hausarztes - verabreicht worden wären.
Die mit FSME befassten Wissenschaftler raten jedenfalls eifrig zur Impfung und legen ansonsten weiter ihre Hände in den Schoß. Geforscht wird scheinbar nur dann, wenn von Baxter oder Novartis, den Herstellern der beiden Impfstoffe, ein bezahlter Auftrag kommt.
Für die laufende Impfaktion sind die aktuellen Fälle jedenfalls eine enorme Werbung. Im ganzen Land strömen die Menschen mit ihren Kindern zu den Impfärzten. Und vielleicht gelingt es ja, die Weltrekord-Quote der österreichischen "Zeckenimpf-Aktion" noch etwas weiter in die Höhe zu schrauben.
Das beschämende Wissens-Vakuum rundum kümmert niemand.
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