Impfpflicht per Fake-News
Ehgartners.Info
13. September 2019
4 Min. Lesezeit
Nun wird auch auf EU-Ebene eine Impfpflicht gefordert. Die meisten der genannten Argumente halten einem Faktencheck nicht stand. Was reitet EU und WHO Politiker wirklich?
"Zeit online" berichtete gestern über einen "Weltimpfgipfel", zu dem die WHO geladen hatte und auch führende Vertreter der EU teilnahmen. Im Artikel heißt es:
Wie sieht es tatsächlich aus mit den Masern-Todesfällen in Europa?
Auf der Webseite der EU Behörden findet sich dazu folgende aktuelle Graphik mit den gemeldeten Todesfällen im Zeitraum Juli 2018 bis Juni 2019:
Es gab demnach nur drei EU-Länder, in denen im letzten Jahr Todesfälle aufgetreten sind. Spanien und Rumänien hatten jeweils einen Todesfall, Italien drei. Italien hat aber bereits die Impfpflicht.
Wie entwickeln sich die Fallzahlen in Europa?
Nach den Zahlen der EU-Behörden hat sich in den letzten drei Jahren keine sonderlich bedrohlicher Trend ergeben. Insgesamt sind von Jahresmitte 2018 bis Mitte 2019 im Europäischen Wirtschaftsraum (EU Länder incl. Island, Norwegen, Liechtenstein) 13.102 Fälle von Masern aufgetreten. Die meisten in den Impfplicht Ländern Frankreich (2.367) und Italien (1.831).
In den Medien werden weitaus höhere Masernzahlen für Europa genannt.
Woher stammen diese hohen Zahlen für Europa?
Tatsächlich liest man von bis zu 100.000 Masernfällen sowie dutzenden Todesfällen, die "allein im ersten Halbjahr 2019" in Europa aufgetreten sind.
Diese Zahlen beziehen sich aber nicht auf den Europäischen Wirtschaftsraum, sondern auf die "WHO Region Europa". Und hierzu zählen auch Länder wie Russland, Türkei, Ukraine, Israel, Aserbeidschan oder Tadschikistan.
Und aus diesem Umstand werden auch die hohen Zahlen verständlich.
Allein die Ukraine meldete im ersten Halbjahr 2018 mehr als 50.000 Masernfälle mit bisher 18 Todesfällen. Das Land befindet sich inmitten einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Impfstoffe sind rar und von teils schlechter Qualität. Zahlreiche Berichte von abgelaufenen oder gefälschten Impfstoffen mit schweren Impfschäden lassen die Impffreudigkeit in der Bevölkerung nicht eben wachsen. Jene Ukrainer, die es sich leisten können, importieren Impfstoffe aus der EU oder lassen ihre Kinder im Ausland impfen.
Um diesen Missstand abzustellen, braucht es Hilfe. Eine Impfpflicht in Ländern wie Deutschland oder Österreich wird den Problemen der Ukrainer sicherlich nicht helfen.
Welche Altersgruppe ist von Masern betroffen?
In den Wortmeldungen der Politiker ist stets die Rede von den armen, betroffenen Kindern. Die in Deutschland angedachte Impfpflicht betrifft ebenso die Kinder.
Dabei gibt es hier das geringste Problem. In den meisten Ländern der EU haben mehr als 95% der Kinder die erste Masernimpfung und mehr als 90% die zweite.
Die aktuellen Masern-Ausbrüche zeigen jedoch, dass sich das Grundproblem bei Masern deutlich verschoben hat. In der Zeit bevor geimpft wurde, erkrankten Kinder meist im Vorschulalter an Masern und waren dann ein Leben lang immun. Das hat sich mit den großen Impfaktionen dramatisch verändert. Im Jahr 2009 lag das durchschnittliche Alter für Masern laut ECDC-Daten bereits bei zehn Jahren, im Jahr 2019 liegt es nun in Europa im Schnitt bei 17 Jahren. In Deutschland liegt der Anteil Erwachsener im heurigen Jahr bereits bei 57 Prozent.
Hier - bei den Erwachsenen - haben wir laut Analyse der Ausbrüche in der EU während der letzten drei Jahre – eine laufend wichtiger werdende Problemgruppe bei Masern. Zwei Drittel der betroffenen Personen im Alter über 20 Jahren waren nicht geimpft. Wenn schon Impfpflicht, so fielen in die Zielgruppe auch ungeimpfte Erwachsene.
Anlass zur Sorge gibt das dritte Drittel der Masernfälle bei Erwachsenen. Denn der Anteil der einmal oder sogar zweimal geimpften Personen steigt laufend an. Dieser unerfreuliche Trend lässt den von der WHO für 2020 fest gelegten Termin für die geplante Eliminierung der Masern, der bereits mehrfach verschoben worden ist, auch dieses Mal utopisch erscheinen.
Eine Impfpflicht für Erwachsene wurde bisher nicht einmal von den politischen Hardlinern des Zwangsimpfens eingefordert. Wohl aus Angst, dass damit der Widerstand wüchse und auch die negativen Aspekte der Impfkampagne öffentlich debattiert werden müssten. Angesichts dieser unerfreulichen Perspektive nehmen Juncker und Co. lieber Zuflucht zu Fake-News.
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| Im Jahr 2009 waren Masernkranke in Europa im Schnitt 10 Jahre alt. Bis 2019 kletterte das Durchschnittsalter auf 17 Jahre |
Juncker verwies auf die Zunahme von Krankheiten wie Masern. Die Zahl der durch Masern verursachten Todesfälle habe sich in Europa versechsfacht. "Und diese Fälle betreffen vor allem nicht geimpfte Menschen."Versuchen wir einen Faktencheck:
"In Europa sterben Kinder an vermeidbaren Krankheiten", sagte der Generaldirektor der der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Nach WHO-Angaben wurden in der ersten Jahreshälfte 2019 weltweit fast dreimal so viele Masernfälle registriert wie im gesamten Jahr 2018. Ausschlaggebend dafür ist ein gewachsenes Misstrauen gegen Impfstoffe, ausgelöst durch die Verbreitung von Fehlinformationen. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis plädierte für eine Impfpflicht in Ländern mit sinkenden Impfraten.
Wie sieht es tatsächlich aus mit den Masern-Todesfällen in Europa?
Auf der Webseite der EU Behörden findet sich dazu folgende aktuelle Graphik mit den gemeldeten Todesfällen im Zeitraum Juli 2018 bis Juni 2019:
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| In den meisten EU-Ländern gibt es keine Todesfälle bei Masern. |
Wie entwickeln sich die Fallzahlen in Europa?
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| Fallzahlen in Europa während der letzten drei Jahre (Quelle: ECDC) |
In den Medien werden weitaus höhere Masernzahlen für Europa genannt.
Woher stammen diese hohen Zahlen für Europa?
Tatsächlich liest man von bis zu 100.000 Masernfällen sowie dutzenden Todesfällen, die "allein im ersten Halbjahr 2019" in Europa aufgetreten sind.
Diese Zahlen beziehen sich aber nicht auf den Europäischen Wirtschaftsraum, sondern auf die "WHO Region Europa". Und hierzu zählen auch Länder wie Russland, Türkei, Ukraine, Israel, Aserbeidschan oder Tadschikistan.
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| Masernzahlen beziehen sich auf die "Europäische Region" der WHO |
Allein die Ukraine meldete im ersten Halbjahr 2018 mehr als 50.000 Masernfälle mit bisher 18 Todesfällen. Das Land befindet sich inmitten einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Impfstoffe sind rar und von teils schlechter Qualität. Zahlreiche Berichte von abgelaufenen oder gefälschten Impfstoffen mit schweren Impfschäden lassen die Impffreudigkeit in der Bevölkerung nicht eben wachsen. Jene Ukrainer, die es sich leisten können, importieren Impfstoffe aus der EU oder lassen ihre Kinder im Ausland impfen.
Um diesen Missstand abzustellen, braucht es Hilfe. Eine Impfpflicht in Ländern wie Deutschland oder Österreich wird den Problemen der Ukrainer sicherlich nicht helfen.
Welche Altersgruppe ist von Masern betroffen?
In den Wortmeldungen der Politiker ist stets die Rede von den armen, betroffenen Kindern. Die in Deutschland angedachte Impfpflicht betrifft ebenso die Kinder.
Dabei gibt es hier das geringste Problem. In den meisten Ländern der EU haben mehr als 95% der Kinder die erste Masernimpfung und mehr als 90% die zweite.
Die aktuellen Masern-Ausbrüche zeigen jedoch, dass sich das Grundproblem bei Masern deutlich verschoben hat. In der Zeit bevor geimpft wurde, erkrankten Kinder meist im Vorschulalter an Masern und waren dann ein Leben lang immun. Das hat sich mit den großen Impfaktionen dramatisch verändert. Im Jahr 2009 lag das durchschnittliche Alter für Masern laut ECDC-Daten bereits bei zehn Jahren, im Jahr 2019 liegt es nun in Europa im Schnitt bei 17 Jahren. In Deutschland liegt der Anteil Erwachsener im heurigen Jahr bereits bei 57 Prozent.
Hier - bei den Erwachsenen - haben wir laut Analyse der Ausbrüche in der EU während der letzten drei Jahre – eine laufend wichtiger werdende Problemgruppe bei Masern. Zwei Drittel der betroffenen Personen im Alter über 20 Jahren waren nicht geimpft. Wenn schon Impfpflicht, so fielen in die Zielgruppe auch ungeimpfte Erwachsene.
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| Der Anteil Erwachsener nimmt laufend zu |
Eine Impfpflicht für Erwachsene wurde bisher nicht einmal von den politischen Hardlinern des Zwangsimpfens eingefordert. Wohl aus Angst, dass damit der Widerstand wüchse und auch die negativen Aspekte der Impfkampagne öffentlich debattiert werden müssten. Angesichts dieser unerfreulichen Perspektive nehmen Juncker und Co. lieber Zuflucht zu Fake-News.
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